STANDARD_14 Sept. 2000

Landhaus: Arbeiten nach langer Diskussion vor vorläufigem Ende
Die Nazi-Fresken werden abgesägt

Klagenfurt - Die Nazi-Fresken von Switbert Lobisser im Klagenfurter Landhaus werden in dieser Woche endgültig entfernt.
Die 56 Quadratmeter große Fläche wird von Konservator Hubert Schwarz aus Graz abgenommen, das kostet eine Million Schilling. Vor der ersten Sitzung des Landtages nach der Sommerpause wird Schwarz die Arbeiten im Sitzungssaal beenden.
In sechs Wochen entfernte er zuerst die Deckschichte und abschließen die Fresken selbst. Drei der sechs"Tafeln", wie Schwarz sie nennt, sind bereits abgenommen. Die restlichen drei sollen bis Ende dieser Woche folgen. Vorerst bleiben sie für etwa ein Jahr beim Konservator. Die mittels einer Knochenleim- und Textilschicht abgetragene Malerei wird dort restauriert.
Um ihr die nötige Steifigkeit zu geben und sie bei der Abnahme nicht zu zerstören, wird diese Verbundschichte mit Dämmplatten versehen. Dann, erzählt Schwarz im Gespräch mit dem STANDARD, wird der so gefestigte Fries von der Mauer gesägt. Der Konservator wird dann die Fresken auf der Rückseite stärken und von den Platten und der Leimschichte befreien. Den letzten Schliff erhalten sie in seiner Werkstatt. wo sie für die Präsentation in der Öffentlichkeit vorbereitet werden. Massive Kritik an der Abnahme übte die Erbin und Tochter Lobissers, Burgi Breiter. Sie forderte, die Fresken dort zu belassen, wo sie sich seit Jahrzehnten befanden: Übertüncht im Sitzungssaal. Doch als Erbin der Urheberrechte darf sie nur über Veränderungen des Inhaltes, nicht aber über den Standort des Werkes entscheiden.
Der Leiter des Landesarchives, Alfred Ogris, vertritt hingegen die Meinung, daß es sich bei der Darstellung, die den Anschluß Österreichs verherrlicht, um ein wichtiges historisches Dokument handelt. Er verglich die geforderte Vernichtung der Fresken mit der Zerstörung der Anton-Kolig-Fresken durch die Nazis.
Auch der Landtagspräsident Jörg Freunschlag (FP) trat für eine Konservierung des Frieses ein. Ergänzend will er die Fresken öffentlich ausstellen. Zuletzt dachte Freunschlag an ein Kärntner Museum des 20. Jahrhunderts, welches auch die dunkle Periode der Nazi-Herrschaft zum Thema haben sollte. Der Kulturreferent, Landeshauptmann Jörg Haider (FP), forderte in einem Brief, die Fresken als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.
Horn

BU: Die Nazi-Fresken werden derzeit in einem aufwendigen Verfahren aus dem Kärntner Landtag entfernt.
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